
Allgemeines: Hodentumoren sind meist Erkrankungen des jungen Mannes, da es in der Mehrzahl sog. Keimzelltumoren sind. Unterschieden wird hier in seminomatöse und nicht-seminomatöse Tumoren. Da die nicht-seminomatösen Tumoren in der Regel nicht bestrahlt werden, sollen hier auch nur seminomatöse Tumoren besprochen werden. Jede schmerzlose Schwellung des Hodens ist verdächtig auf das Vorliegen eines Hodenkarzinoms. Meist früh erkannt, hat dieser Tumor eine nahezu 100%ige Heilungswahrscheinlichkeit. Seminome metastasieren zunächst lymphogen (durch die Lymphspalten) in paraaortale (im Bauchraum entlang der großen Körperschlagader) Lymphknoten auf Höhe des Nierenstiels. Eine hämatogene Metastasierung (auf dem Blutweg) erfolgt erst nach lymphogener Metastasierung.
Sonderform: Vorstufe TIN (testikuläre intraepitheliale Neoplasie). Dies ist eine prämaligne Erkrankung (Vorstufe) mit einem hohen Risiko zur Entwicklung eines Hodenkarzinoms (70%).
Diagnostik: Tastbefund, Sonographie, ggf. MRT, ggf. PE, Tumormarker AFP, ß-HCG, LDH, fakultativ PLAP (plazentare alk. Phosphatase), Abdomen/Becken-CT (Nachweis/Ausschluss iliacaler oder paraaortaler Lymphknotenmetastasen), Röntgen Thorax ( Brustkorb) , Thorax-CT
Therapie:
Operation: Die operative Therapie des Seminoms besteht in der Entfernung des betroffenen Hodens (hohe Ablatio testis/ Orchiektomie). In gleicher Sitzung wird oft noch eine Probebiopsie der Gegenseite genommen.
Nur bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen mit symptomatischen Metastasen erfolgt zunächst eine Chemotherapie. Die operative Resektion wird dann verzögert durchgeführt.
Adjuvante Therapie:
In der adjuvanten Situation des Seminoms im Stadium I (ohne Anhalt für Lymphknotenmetastasen) gibt es grundsätzlich drei Behandlungsoptionen. Die Durchführung einer adjuvanten Strahlentherapie, einer adjuvanten Chemotherapie oder auch eine watch-and-wait Strategie, bei der keine weiteren adjuvante Therapiemaßnahmen erfolgen. Bei einem 15-20%igen Rezidivrisiko (bis zu 10 Jahre lang!) müssen in dieser Situation engmaschig Verlaufskontrollen (v.a. CT-Abdomen/Becken Untersuchungen) erfolgen. Diese Option wird in unserer Region eigentlich nicht praktiziert.
Strahlentherapie:
TIN: Therapie der Wahl ist hier eine niedrigdosierte Strahlentherapie mit 18 Gy, wodurch diese Erkrankung geheilt wird. Eine Spermatogenese (Spermienproduktion) findet danach nicht mehr statt.
Seminome im Stadium I werden i.d.R. einer adjuvanten Strahlentherapie der paraaortalen Lymphabflüsse zugeführt. Hier werden 20 Gy (10 x 2 Gy) appliziert.
Bei Seminomen im Stadium II werden zusätzlich die ipsilateralen (auf der betroffenen Seite) iliacalen Lymphabflüsse (im Becken) mit bestrahlt. In diesen Fällen werden 30 Gy (15 x 2 Gy) im Stadium IIA und 36 Gy (18 x 2 Gy) im Stadium IIB appliziert.
Chemotherapie:
TIN: Eine Chemotherapie kann die TIN nur selten dauerhaft kontrollieren.
Seminome im Stadium I: Alternativ zu einer Strahlentherapie können auch ein bis zwei Kurse einer Carboplatin- haltigen Chemotherapie gegeben werden.
Seminome im Stadium II: Im Stadium IIB können, wenn der Patient eine Strahlentherapie ablehnt drei Kurse einer meist PEB-haltigen Chemotherapie gegeben werden.
Seminome der Stadien IIC - III werden ausschließlich einer Chemotherapie zugeführt. Hier hat die Strahlentherapie keinen Stellenwert.
Unterlagen: ! Müssen beim Aufklärungsgespräch vorliegen!:
Befunde von Staginguntersuchungen. Im Stadium II, also bei V.a. auf paraaortale und/oder iliacale Lymphknotenmetastasen sollte nicht nur der schriftliche Befund sondern auch die Bilder der Abdomen/Becken-Untersuchungen (i.d.R. CT-Abdomen/Becken/ möglichst auch auf CD) spätestens zur Bestrahlungsplanung vor liegen.
Ablauf:
Ablauf Strahlentherapie (Werktage/ Abweichungen im Einzelfall möglich):
Tag 1: Aufklärungsgespräch mit dem Strahlentherapeuten
Tag 2: Durchführung des Planungs-CT. Patienten werden in Rückenlage mit beiden Armen nach oben und Knierolle unter den Knien gelagert. Es werden drei Markierungskreuze auf dem Patienten angezeichnet und mit durchsichtigem Pflaster abgeklebt. Diese dienen dazu, dass der Patient jedes Mal wieder genau gleich gelagert werden kann. Diese Anzeichnungen müssen bis zu ersten Bestrahlung erhalten werden. Bei der Neueinstellung am Gerät und damit der ersten Bestrahlung erfolgt dann die eigentliche Anzeichnung der Bestrahlungsfelder.
Tag 3+4: Bestrahlungsplanung, keine Anwesenheit des Patienten
Tag 5/6: Neueinstellung und erste Bestrahlung am Linearbeschleuniger. Von diesem Tag an werktägliche Bestrahlung.
Nebenwirkungen:
Häufige Nebenwirkungen einer Bestrahlung im Bauch-/Beckenbereich:
Im Allgemeinen können im Laufe der Zeit im Bereich der Strahleneintrittsfelder Hautreaktionen vergleichbar einem Sonnenbrand auftreten. Die Haut kann gerötet (Erythem) oder brauner werden (Hyperpigmentierung). Selten kann die Haut auch wund werden (Epitheliolyse). Hautreaktionen sind praktisch jedoch aufgrund der geringen Bestrahlungsdosis eher selten. Da häufig Magenanteile im bestrahlten Bereich liegen, reagieren relativ viele Patienten mit einer leichten Übelkeit, die sich jedoch medikamentös problemlos beherrschen lässt. Theoretisch kann v.a. der Dünndarm auf die Bestrahlung mit Durchfall reagieren. Dies ist jedoch bei der geringen Bestrahlungsdosis ebenfalls relativ unwahrscheinlich. Hier kann es oft schon hilfreich sein, eine Diät einzuhalten. Diätempfehlungen können dann bei Bedarf ausgehändigt werden
