Endometriumcarcinom/ Korpuskarzinom/ Gebärmutterkrebs

Allgemeines: Das Endometriumkarzinom entwickelt sich vorwiegend bei älteren Frauen. Es ist ein Tumor, der von der Gebärmutterschleimhaut ausgeht. Frühsymptom ist die postmenopausale (nach den Wechseljahren auftretende) Blutung. Endometriumkarzinome wachsen meist langsam - zunächst exophytisch in das Cavum uteri (in die Gebärmutterhöhle hinein), später infiltrieren sie in das Myometrium (wachsen in die Muskulatur der Gebärmutter ein). Wenn sie weit in das Myometrium (Uterusmuskulatur) eingewachsen sind, können sie lymphogen (über Lymphspalten) in die Becken- oder auch die paraaortalen (entlang der großen Körperschlagader im Bauchraum) Lymphknoten metastasieren. Eine hämatogene Metastasierung (auf dem Blutwege) erfolgt in der Regel erst spät und wenn dann v.a. in die Lunge die Nebennieren und die Leber.

Diagnostik: Vaginal- und Abdominalsonographie (Ultraschall der Bauch- und Beckenorgane), Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung), fraktionierte Abrasio (Ausschabung) mit histologischer (feingeweblicher) Aufarbeitung incl. Bestimmung der Hormonrezeptoren

Therapie: Werden bei einer Tumorerkrankung Fernmetastasen nachgewiesen, gilt die Erkrankung als nicht mehr heilbar (palliative Situation). Im Vordergrund jedweder Therapie steht in dieser Situation, eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Aggressive Behandlungen mit hohem Nebenwirkungsrisiko mutet man diesen Patienten nur zu, wenn der Nutzen, der für sie aus dieser Behandlung zu erwarten ist, die eventuell auftretenden Nebenwirkungen überwiegt. Palliative Behandlungskonzepte sind deshalb immer Einzelfallentscheidungen, die der Situation des jeweiligen Patienten angepasst sind.

Kurative Therapie (mit dem Anspruch, den Patienten zu heilen):

Operation:

Eine operative Therapie sollte immer angestrebt werden. In frühen Stadien wird in diesen Fällen eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) und Adnexektomie (Entfernung der Eileiter und Eierstöcke) durchgeführt. Bei schlecht differenzierten Tumoren (stark verwildert, nicht mehr dem Muttergewebe gleichend) und bei Infiltration des Myometriums (der Gebärmuttermuskulatur) werden zusätzlich zum Ausschluss/ Nachweis einer Lymphknotenmetastasierung Becken- und paraaortale Lymphknoten entfernt. Bei Befall der Zervix (des Gebärmutterhalses) wird meist eine sog. erweiterte Radikaloperation nach Wertheim-Meigs durchgeführt. Dabei wird zusätzlich eine Vaginalmanschette (Scheidenmanschette) entfernt. Lokal weit fortgeschrittene Stadien, bei denen zum Beispiel der Darm oder die Blase befallen sind, müssen der Situation angepasst behandelt werden. Zum Teil werden dann sehr ausgedehnte operative Eingriffe mit Darm- oder Blasenentfernungen durchgeführt.

Strahlentherapie:

Bei frühen Stadien ohne das Risiko eines Lymphknotenbefalls oder bei operativ nachgewiesener fehlender Lymphknotenmetastasierung wird nur der Scheidenstumpf mit einer Kontaktbestrahlung in sog. Afterloadingtechnik (Nachladetechnik/ Brachytherapie) behandelt. Hierbei wird in mehreren Sitzungen eine strahlende Quelle in die Scheide eingeführt. Dies ist eine schmerzlose und nebenwirkungsarme Behandlungstechnik. Kontaktbestrahlungen bieten wir in Kooperation mit einer benachbarten Strahlentherapie an.

In fortgeschrittenen Stadien wird eine Bestrahlung des gesamten kleinen Beckens empfohlen. Hier werden 28 Bestrahlungen mit einer Einzeldosis von 1,8 Gy bis zu einer Summendosis von 50,4 Gy durchgeführt. Im Anschluss daran erfolgen meist noch zwei Kontaktbestrahlungen (Afterloading/ Brachytherapie) des Scheidenstumpfes. Bei nachgewiesenen befallenen paraaortalen (entlang der grossen Körperschlagader) Lymphknoten werden im Anschluss auch noch die paraaortalen Lymphabflusswege mit 45 - 50,4 Gy bestrahlt.

In einigen Zentren kann in fortgeschrittenen Stadien anstelle einer Operation auch eine kurative Strahlentherapie erfolgen, bei der eine Beckenbestrahlung mit einer anschließenden Kontaktbestrahlung kombiniert wird. Bei letzterer muss dann die Strahlenquelle in die Gebärmutterhöhle eingebracht werden.

Chemotherapie:

Eine adjuvante Chemotherapie muss beim Endometriumkarzinom derzeit noch als experimentell angesehen werden.

Hormontherapie:

Der adjuvante Einsatz von Gestagenen kann bei Hochrisikopatientinnen einen geringen Vorteil bezüglich des Gesamtüberlebens erbringen und das rezidivfreie Überleben verlängern.

Unterlagen:            ! Müssen beim Aufklärungsgespräch vorliegen!:

  • Histologie sowohl der Abrasio als auch des endgültigen operativen Präparates (Hysterektomie und wenn vorhanden Lymphadenektomiepräparat). Das kann z.T. bei verschiedenen pathologischen Instituten erfolgt sein. Am wichtigsten ist bei diesen Patienten die Histologie des operativen Präparates.
  • OP-Bericht
  • Arztbriefe
  • Befunde von Staginguntersuchungen, wenn vorhanden Bilder der präoperativ durchgeführten Schnittbildverfahren (möglichst auf CD)

  

Ablauf: Ablauf Strahlentherapie (Werktage/ Abweichungen im Einzelfall möglich):

Tag 1: Aufklärungsgespräch mit dem Strahlentherapeuten

Tag 2: Durchführung des Planungs-CT. Patientinnen werden in Bauchlage auf einem Lochbrett/ Bellyboard gelagert. Unter die Füße kommt eine Knierolle. Nur alte oder gebrechliche Patientinnen, die nicht mehr auf dem Bauch liegen können, werden in Rückenlage mit Knierolle unter den Knien und Armen auf der Brust gelagert. Es werden drei Markierungskreuze auf der Patientin angezeichnet und mit durchsichtigem Pflaster abgeklebt. Diese dienen dazu, dass die Patientin jedes Mal wieder genau gleich gelagert werden kann. Diese Anzeichnungen müssen bis zur ersten Bestrahlung erhalten werden. Bei der Virtuellen Simulation am Gerät und der ersten Bestrahlung erfolgt dann die eigentliche Anzeichnung der Bestrahlungsfelder.

Tag 3+4: Bestrahlungsplanung, keine Anwesenheit des Patienten

Tag 5/6: Neueinstellung und erste Bestrahlung am Linearbeschleuniger. Von diesem Tag an werktägliche Bestrahlung.

Nebenwirkungen: Häufige Nebenwirkungen einer Bestrahlung im Beckenbereich:

Im Allgemeinen können im Laufe der Zeit im Bereich der Strahleneintrittsfelder Hautreaktionen vergleichbar einem Sonnenbrand auftreten. Die Haut kann gerötet (Erythem) oder brauner werden (Hyperpigmentierung). Selten kann die Haut auch wund werden (Epitheliolyse). Dies tritt am ehesten im Bereich der Rima ani (Pofalte) und perianal (um den After herum) auf. Die Schamhaare können im Laufe der Strahlentherapie ausfallen.

Generell sollen sich alle Patienten mit möglichst voller Blase bestrahlen lassen. Zum einen, weil damit der bestrahlte Blasenanteil reduziert werden kann, zum anderen, weil eine volle Blase den Dünndarm aus dem kleinen Becken und damit aus dem bestrahlten Bereich drückt. Die Blase kann auf die Bestrahlung wie bei einer Blasenentzündung reagieren - mit Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang. Der Darm kann auf die Bestrahlung mit Durchfall reagieren. Hier kann es oft schon hilfreich sein, eine Diät einzuhalten. Einmalig aufgetretene peranale Blutungen lassen sich häufig auf die Reaktivierung eines bereits bestehenden Hämorrhoidalleidens. Weiterhin können durch Reizung des Enddarms proktitische Beschwerden auftreten wie gehäufter Stuhldrang oder Schleimauflagerungen. Langfristig kann es sein, dass die Vagina (Scheide) nach einer derartigen Bestrahlung trockener wird. Dies kann u.a. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen.

Prämeopausale Patientinnen(vor den Wechseljahren), denen die Eierstöcke im Rahmen der Operation nicht entfernt wurden, werden durch die Bestrahlung in die Wechseljahre versetzt. Es treten dementsprechende Hormonentzugssymptome wie z.B. Hitzwallungen auf. Weitere eventuell auftretende Nebenwirkungen werden im Aufklärungsgespräch mit dem Strahlentherapeuten von diesem im Einzelnen besprochen