Analkarzinom

Allgemeines: Ursächlich liegen der Entstehung von Analkarzinomen Virusinfektionen (v.a. Humane-Papilloma-Virus, aber auch Condylomata acuminata) zugrunde. Analkarzinome verursachen Blutungen beim Stuhlgang, Schmerzen im Afterbereich und ein Fremdkörpergefühl. Häufig werden sie verkannt ("Hämorrhoide") und daher erst in relativ fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert.

Lymphogen (über die Lymphbahnen in die Lymphknoten) metastasieren Analkarzinome in pararektale (in der Umgebung des Enddarms) und inguinale Lymphknoten (Leistenlymphknoten). Im späteren Verlauf können auch paraaortale (entlang der großen Körperschlagader) Lymphknoten auftreten. Fernmetastasen sind relativ selten.

Diagnostik: Digitale anorektale Untersuchung (Austastung mit dem Finger), Prokto-Rektoskopie (After- und Enddarmspiegelung), endorektale Sonographie (Ultraschall vom Enddarm her, um die Tumorausdehnung zu erkennen), gynäkologische (frauenärztliche) Untersuchung, CT/ MRT Becken, Ultraschall der Leisten

Therapie: Werden bei einer Tumorerkrankung Fernmetastasen nachgewiesen, gilt die Erkrankung als nicht mehr heilbar (palliative Situation). Im Vordergrund jedweder Therapie steht in dieser Situation, eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Aggressive Behandlungen mit hohem Nebenwirkungsrisiko mutet man diesen Patienten nur zu, wenn der Nutzen, der für sie aus dieser Behandlung zu erwarten ist, die eventuell auftretenden Nebenwirkungen überwiegt. Palliative Behandlungskonzepte sind deshalb immer Einzelfallentscheidungen, die der Situation des jeweiligen Patienten angepasst sind.

Kurative Therapie (mit dem Anspruch, den Patienten zu heilen) :

Kleine Karzinome des äußeren Analrandes (T1 N0) werden wir Hauttumore nur mit einer lokalen Exzision behandelt.

Die seltenen Adenokarzinome des Analkanals (Sonderform, zeigt sich in der histologischen/ feingeweblichen Aufarbeitung) werden wie Rektumkarzinome behandelt.

Bei allen anderen Analkarzinomen ist die Radio ± Chemotherapie die Therapie der Wahl. Sie erreicht in 80% eine Heilung, ist damit der operativen Resektion definitiv überlegen und hat des weiteren den Vorteil, dass die natürliche Analfunktion erhalten werden kann. Eine Indikation zur operativen Resektion i.S. einer abdominoperinealen Rektumamputation (Entfernung des Enddarms und des Afters) besteht nur noch bei fehlendem Ansprechen auf die Strahlentherapie oder bei einem Rezidiv (wenn der Tumor wieder kommt).

Strahlentherapie:

Eine alleinige Strahlentherapie ist nur bei sehr kleinen Tumoren unter 3 cm Größe möglich. Ansonsten wird eine kombinierte Radio-Chemotherapie durchgeführt, da diese der alleinigen Bestrahlung überlegen ist.

Zunächst wird das gesamte kleine Becken meist unter Einschluss der Leisten bis 45 - 50,4 Gy (25 - 28 x 1,8 Gy) bestrahlt. Im Anschluss  erfolgt eine sog. Boostbestrahlung auf das Analkarzinom. Hier werden weitere 5 - 14/ 14,4 Gy eingestrahlt. Die Höhe der Einzeldosis (2 Gy vs 1,8 Gy) ist dabei abhängig von der Größe und der Lage des noch zu bestrahlenden Volumens und damit auch der Nähe zu anderen Organen. Dies wird im Einzelfall individuell entschieden. Bei befallenen Leistenlymphknoten muss auch hier die Dosis über 50,4 Gy hinaus weiter erhöht werden.

Chemotherapie:

Simultan (zeitgleich) zur Strahlentherapie wird eine Chemotherapie durchgeführt. Etabliert ist hier, in der ersten und fünften Bestrahlungswoche eine Chemotherapie mit 5-FU und Mitomycin C durchzuführen.

Unterlagen:            ! Müssen beim Aufklärungsgespräch vorliegen !:

  • Befunde der Prokto-Rektoskopie und der endorektalen Sonographie
  • Histologie
  • Arztbrief, aus dem u.a. das Tumorstadium und Informationen zur Chemotherapie hervorgehen
  • Befunde von Staginguntersuchungen incl. Bilder (möglichst CD) eventuell durchgeführter Schnittbildverfahren (CT/MRT)

Ablauf: Ablauf Strahlentherapie (Werktage/ Abweichungen im Einzelfall möglich):

Tag 1: Aufklärungsgespräch mit dem Strahlentherapeuten

Tag 2: Durchführung des Planungs-CT. Patienten werden in Rückenlage mit den Armen auf der Brust, einer Fußlagerungshilfe und ggf. einer kleineren Rolle unter den Knien gelagert. Dann werden drei Markierungskreuze auf dem Patienten angezeichnet und mit durchsichtigem Pflaster abgeklebt. Diese dienen dazu, dass der Patient jedes Mal wieder genau gleich gelagert werden kann. Diese Anzeichnungen müssen bis zu ersten Bestrahlung erhalten werden. Bei der Neueinstellung am Gerät und damit der ersten Bestrahlung erfolgt dann die eigentliche Anzeichnung der Bestrahlungsfelder.

Tag 3-6: Bestrahlungsplanung, keine Anwesenheit des Patienten

Tag 7:  Neueinstellung und erste Bestrahlung am Linearbeschleuniger. Von diesem Tag an werktägliche Bestrahlung.

Nebenwirkungen: Häufige Nebenwirkungen einer Bestrahlung im Beckenbereich:

Im Allgemeinen können im Laufe der Zeit im Bereich der Strahleneintrittsfelder Hautreaktionen vergleichbar einem Sonnenbrand auftreten. Die Haut kann gerötet (Erythem) oder brauner werden (Hyperpigmentierung). Selten kann die Haut auch wund werden (Epitheliolyse). Dies tritt am ehesten im Bereich der Rima ani (Pofalte) und perianal (um den After herum) auf. Langfristig kann es im Bereich des Afters zur Ausbildung kleiner Gefäße sog. Teleangiektasien kommen. Die Schamhaare können im Laufe der Strahlentherapie ausfallen.

Generell sollen sich alle Patienten mit möglichst voller Blase bestrahlen lassen. Zum einen, weil damit der bestrahlte Blasenanteil reduziert werden kann, zum anderen, weil eine volle Blase den Dünndarm aus dem kleinen Becken und damit aus dem bestrahlten Bereich drückt. Die Blase kann auf die Bestrahlung wie bei einer Blasenentzündung reagieren - mit Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang. Der Darm kann auf die Bestrahlung mit Durchfall reagieren. Hier kann es oft schon hilfreich sein, eine Diät einzuhalten. Diätempfehlungen können dann bei Bedarf ausgehändigt werden. Einmalig aufgetretene peranale Blutungen lassen sich häufig auf die Reaktivierung eines bereits bestehende Hämorrhoidalleidens zurückführen. Langfristig kann durch die Strahlentherapie bei Männern eine Impotenz verursacht werden. Bei Frauen kann es sein, dass die Vagina (Scheide) nach einer derartigen Bestrahlung trockener wird. Dies kann u.a. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursachen. Prämeopausale Patientinnen (vor den Wechseljahren) werden durch die Bestrahlung in die Wechseljahre versetzt. Es treten dementsprechende Hormonentzugssymptome wie z.B. Hitzwallungen auf. Weitere eventuell auftretende Nebenwirkungen werden im Aufklärungsgespräch mit dem Strahlentherapeuten im Einzelnen besprochen.